Größere Anstrengungen bei der Prävention humanitärer Krisen nötig

Lebensmittel und Hygieneartikel werden in einem indischen Dorf an Bedürftige verteiltSahiba Chawdhary - Diakonie Katastrophenhilfe

Berlin. Millionen Menschen leiden derzeit unter den Folgen akuter Katastrophen – in vielen Regionen der Welt und auch im Westen und Süden Deutschlands. In Anbetracht der steigenden Risiken fordert die Diakonie Katastrophenhilfe größere Anstrengungen bei der Prävention humanitärer Krisen. Dies gelte für Naturkatastrophen ebenso wie für Hunger- und Gewaltkrisen. „Es muss deutlich mehr getan werden, damit die Menschen besser geschützt sind, wenn sich diese Katastrophen ereignen,“ sagt Dagmar Pruin, Präsidentin des evangelischen Hilfswerks bei der Vorstellung des Jahresberichts 2020.

Am Montag war die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Dagmar Pruin, nach Schleiden in Nordrhein-Westfalen gereist, um sich ein Bild von der Lage in den Flutgebieten zu machen. „Der Klimawandel ist kein Horror-Szenario, sondern längst Realität. Wir befürchten, dass diese Art Ausnahme-Katastrophen mehr und mehr zur Regel werden.“ Daher brauche es weltweit, aber auch in Deutschland, deutlich höhere öffentliche Investitionen in die Vorsorge, den Bau von Dämmen, Rücklaufbecken oder Schutzräumen.

„Wir sind nicht schutzlos ausgeliefert, sondern können unsere Situation verbessern – wenn wir frühzeitig aktiv werden. Das aber passiert weiterhin viel zu selten. So leider auch in einigen Teilen Afrikas, wo wir gerade eine Katastrophe erleben, die durch frühzeitiges Eingreifen hätte abgemildert werden können: der Hunger, der sich immer weiter zuspitzt.“

Auch diese Katastrophe sei nicht von heute auf morgen gekommen. „Die Zeichen und Warnungen waren mehr als eindeutig, doch sie wurden von politischer Seite ignoriert“, so Pruin. „Die internationale Gemeinschaft hätte deutlich besser reagieren müssen – zum Beispiel hätten Vorräte angelegt und der Zugang für internationale Hilfsorganisationen zu den bedrohten Menschen verbessert werden können.“

Die Diakonie Katastrophenhilfe blickt mit großer Sorge auf Länder wie Südsudan, den Jemen oder Äthiopien. „Die Zahl der Menschen, die weltweit kurz vor einer Hungersnot stehen, hat binnen zwei Jahren um 50 Prozent auf 41 Millionen zugenommen“, erklärt Pruin. Die Gründe dafür sind vielfältig: Wetterextreme wie Dürren und massive Überschwemmungen; im Falle von Äthiopien der Krieg in Tigray; die Folgen der Corona-Pandemie für Menschen, die im vergangenen Jahr von einem Tag auf den anderen ihre Lebensgrundlage verloren haben; in Ostafrika eine Heuschreckenplage ungekannten Ausmaßes.

Die Diakonie Katastrophenhilfe konnte im vergangenen Jahr 170 Projekte in 39 Ländern durchführen und hat dafür 37,5 Millionen Euro bereitgestellt. Die Spendeneinnahmen aus dem Gebiet der Nordkirche lagen 2020 mit gut 1,57 Millionen Euro deutlich über denen des Vorjahres (2019: 1,38 Millionen Euro).

Bild: Im Juli 2020 verteilt die Partnerorganisation CASA Lebensmittel und Hygieneartikel an Bedürftige  Simla Devi, 21, arbeitet sonst als Tagelöhnerin und hat durch Corona kein Einkommen mehr. Sie ist deshalb in ihre Heimatregion zurückgekehrt. Copyright: Sahiba Chawdhary/Diakonie Katastrophenhilfe

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