Migrationsberatung fördert Integration – persönlich, engagiert und langfristig

Zwei Frauen und ein Mann im Kreis von hölzernen Picknicktischen, an denen Zuhörerinnen und Zuhörer sitzen, referieren. Heidig | Diakonie MV

Wie kann Integration gelingen? Welche Hürden mussten während der Corona-Pandemie genommen werden? Und welche Rolle spielt dabei die Migrationsberatung der Wohlfahrtsverbände? Diesen Fragen gingen anlässlich des bundesweiten „Aktionstags für die Migrationsberatung für Erwachsene Zuwanderer (MBE)“ die Träger der Migrationsberatungsstellen AWO Kreisverband Wismar, CJD Nord, DRK Kreisverband Nordwestmecklenburg, Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg sowie das Diakonische Werk Mecklenburg-Vorpommern e.V. nach. Eingeladen in den Garten des Ökologischen Schulorts Wismar waren PolitikerInnen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene, alle übrigen Akteure der Migrationsarbeit vor Ort sowie Migrant*innen, die über ihren gemeinsamen Weg mit der Migrationsberatung berichteten.

„Wir bilden hier vor Ort wirklich ein tolles Netzwerk, um Migrantinnen und Migranten erfolgreich zu begleiten und zu unterstützen, auch mit der Hansestadt Wismar und dem Jobcenter“, sagt Manuela Latchinian; Migrationsberaterin beim Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg. „Aber wir stoßen auch immer wieder auf Hürden und Grenzen – und darüber sind wir beim Aktionstag mit der Politik und den Entscheidern ins Gespräch kommen.“

Etwa hierüber: „Nur durch die umfassenden Beratungsleistungen erscheinen die Migrant*innen gut vorbereitet bei den versorgungsrelevanten Stellen, also den Ämtern und Behörden. Deshalb hoffe ich, dass alle Seiten dieses funktionierenden Netzwerkes mit den notwendigen finanziellen Ressourcen auch künftig ausgestattet werden,“ formuliert Evelyn Lübcke, Migrationsberaterin beim DRK Nordwestmecklenburg ihren Wunsch an die Politik.

„In der Corona-Zeit wurde sehr deutlich, dass der Unterschied zwischen Alltags- und Verwaltungssprache ein starkes Hindernis für die Selbstständigkeit von Migranten ist. Bei zunehmender Integration werden sie mit neuen und komplexeren Problemen konfrontiert, die neue Unsicherheiten hervorrufen und die nicht online zu regeln sind,“ skizzierte Arnaud Liszka von der AWO Migrationsberatung einen Aspekt der jüngsten Herausforderungen.

Schon vor der Corona-Pandemie waren die bundes- und landesfinanzierten Migrationsberatungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern die wichtigste Anlaufstelle für die Menschen mit Migrationsgeschichte. „Aber gerade jetzt sind sie die relevanten Ansprechpartner für die Menschen und bilden die Schnittstelle zu den Behörden. Deshalb sind wir als diakonischer Landesverband der Meinung, dass die finanzielle Ausstattung der Angebote sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene bedarfsgerecht fortgeführt und weiterentwickelt werden muss,“ fordert auch Stefan Semjank, Fachreferent für Migration beim Diakonischen Werk Mecklenburg-Vorpommern, der durch den Vormittag führte. Einen ergänzenden Punkt beleuchtete Jannette Mitzlaff vom CJD Nord in Wismar mit Blick auf die Arbeit mit jungen Erwachsenen: „Der Jugendmigrationsdienstes motiviert und unterstützt junge Menschen dabei, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Wir klären gemeinsam Berufswünsche, orientieren über die notwendigen Schulabschlüsse und begleiten bis zur Ausbildung oder Studium."

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werde es nach der Corona-Pandemie zu einem steigenden Zuzug verschiedener Einwanderungsgruppen kommen, etwa aufgrund der europäischen Freizügigkeit, zunehmender Wirkung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes/Fachkräften aus Drittstaaten und dem weiteren Zuzug von Spätaussiedler*innen, da sind sich die Teilnehmenden einig. Allerdings sind die Beratungsstellen mit der Beratung der aktuellen Fälle schon jetzt mehr als ausgelastet.

Hintergrund:
Das bundesgeförderte Beratungsangebot „Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer“ (MBE) ist Bestandteil des Integrationsangebotes des Bundes und bietet seit 2005 anerkannte Anlauf- und Beratungsstellen für Menschen mit Einwanderungsgeschichte in ganz Deutschland. Die Freie Wohlfahrtspflege sowie der Bund der Vertriebenen (BdV) sind Träger der MBE und organisieren die Beratung vor Ort. Die sozialpädagogische Beratung und Begleitung von Menschen mit Einwanderungsgeschichte führt zu einer Verminderung des Transferleistungsbezuges und fördert den Erwerb der deutschen Sprache und wird durch Netzwerkarbeit im örtlichen Gemeinwesen ergänzt. Die Beratungsstellen arbeiten nach hohen fachlichen Standards und zur großen Zufriedenheit der Ratsuchenden.

Bild: Manuela Latchinian (li.) und Valeria Olexiyenko, Migrationsberaterinnen des Diakoniewerks im nördlichen Mecklenburg mit Emad Salibi aus Syrien, der von seiner Ankunft in Deutschland berichtet.

Im Vordergrund Kathrin Konietzke,Vorstand des DRK Kreisverband Nordwestmecklenburg (li.) und Kirsten Balzer, Geschäftsführerin des Diakoniewerks im nördlichen Mecklenburg.